Tierschutz – Tierrechte – Tier-, Mensch-, Natur-Befreiung

Ein Vergleich

Mit dem Begriff „Tierbewegung“ sind alle Gruppen und Menschen gemeint, die sich grundsätzlich für eine bessere Behandlung von Tieren einsetzen.
Der einzige gemeinsame Nenner dieser Bewegungen, Gruppen und Menschen, ist die bessere Behandlung von Tieren.

Am klarsten unterscheidbar sind hier 3 Gruppen. Diese sind Tierschutzgruppen, Tierrechtsgruppen und Tier-, Mensch-, Natur-Befreiungs- (aka Liberation-) Gruppen/Bewegungen.

1) Tierschutzbewegung

Tierschutz setzt sich für eine bessere Behandlung von nicht-menschlichen-Tieren ein.

Meistens für eine bestimmte Tierart, wie Hunde oder/und Katzen, aber auch für viele andere Tiere. Manche Gruppen setzen sich auch für eine Verbesserung von Haltungsbedingungen für Schweine, Kühe, Hühner, „Pelztiere“ etc. ein.

Es wird sich hier meist für größere Käfige oder artgerechtere Haltung und Ähnliches eingesetzt, jedoch nicht für eine grundsätzliche Ablehnung von Ausbeutung, sowie Haltung und Tötung von nicht-menschlichen-Tieren.

Die Strategien des Tierschutzes werden teilweise auch von der Tierrechtsbewegung benutzt, um relativ kurzfristig vermeintlich erreichbare Ziele durchzusetzen.

2) Tierrechtsbewegung

Die Tierrechtsbewegung lehnt die Tötung und Gefangenschaft von nicht-menschlichen-Tieren grundsätzlich ab.

Sie setzt sich für ein ethisches sowie vernünftiges Handeln gegenüber diesen und menschlichen-Tieren ein. Es werden moralische und gesetzliche Rechte für alle nicht-menschlichen-Tiere eingefordert, bzw. an menschliche-Tiere appelliert moralisch und vernünftig gegenüber diesen zu handeln und auf diese Ziele hinzuarbeiten. Die meisten Gruppen -nicht alle Menschen- setzen sich auch für einen vernünftigeren/nachhaltigeren Umgang mit der Natur ein. Z.B. mit aus der Tierhaltung resultierender Umweltverschmutzung im Allgemeinen oder Plastiknutzung. Es geht darum, dass Individuen die richtigen Entscheidungen treffen und Verhaltensweisen ändern. Diese Veränderungen sollen alle in den bestehenden Gesellschaftssystemen stattfinden. Die bestehenden Strukturen bleiben daher unverändert. Tierrechte sollen also im bestehenden Gesellschaftssystem verankert werden. Dabei wird die Tierausbeutung selbst nicht als System verstanden und es werden auch nicht andere hierarchische Systeme wie Kapitalismus, Rassismus, Sexismus, Klassismus und einige andere bekämpft. Dabei ist die Tierausbeutung in einigen dieser Systeme mit eingebettet, was meist nicht als problematisch empfunden wird.

Die Strategien der Tierrechtsbewegung werden oft teilweise von Gruppen der Befreiungsbewegung benutzt, um relativ kurzfristig vermeintlich erreichbare Ziele durchzusetzen. Von der Befreiungsbewegung wird Tierrechtsaktivismus teilweise als single-issue Aktivismus bezeichnet.

3) Befreiungsbewegung

Die Befreiungsbewegung, auch Liberation- Bewegung genannt, meint nicht ausschließlich, dass nicht-menschliche-Tiere aus Käfigen befreit werden müssen. Es zählt auch darunter, doch es geht darum alle Tiere (menschliche und nicht-menschliche) und die Natur (so weit wie möglich/machbar) aus der Unterdrückung der Menschen zu befreien. Freiheit. Eigener, individueller Wille wird wieder ermöglicht.

Es wird hier die individuelle Ebene gesehen, aber eben auch die gesellschaftliche. Die bestehende Gesellschaftsordnung auf politischer, ökonomischer und sozialer Ebene soll verändert werden.

Der Grund dafür ist, dass Tiere eben nicht nur Opfer von individuellen Gewalthandlungen sind. Das sieht man häufig an dem Beispiel wenn eine Schlachthausmitarbeiterin ein nicht-menschliches-Tier tötet. Diese Situation ist von einer personellen und einer strukturellen Gewalt gekennzeichnet. Das heißt, die aktuelle Gewalt übt die/der Schlachthausmitarbeiterin aus, die/der dieses Tier tötet, aber es gibt dabei auch eine strukturelle Gewalt. Nämlich die, dass die/der Schlachthausmitarbeiterin in unserer speziesistischen Welt aufgewachsen ist. Sie/er wurde warscheinlich von „Tierproduktessern“ erzogen/ernährt, hat sich vermutlich Kinderbücher angeschaut, oder diese wurden vorgelesen, in denen es normal/notwendig ist manche nicht-menschlichen-Tiere zu töten um sie zu essen und andere zu lieben. Wenn der Schlachthausmitarbeiter ein Mann ist (manchmal auch bei anderen Geschlechtern) ist es eventuell auch noch der Fall, dass er denkt, dass Empathie als feminin und somit als Form von Schwäche angesehen wird. Somit würde er sich gezwungen fühlen in sein, und ein vor der Gesellschaft so definiertes Rollenbild eines Mannes zu passen.

Zu alledem kommt hinzu, dass das vorherrschende kapitalistische System uns zwingt unseren Lebensunterhalt zu sichern. Arbeit hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Es ist besser irgendeiner Arbeit (hier z.B. im Schlachthaus) nachzugehen, als nichts zu tun, da mensch sonst in seiner Umgebung als minderwertiger angesehen wird.

Das nicht-menschliche-Tier wird in dieser Situation also nicht nur von Schlachthausmitarbeiterinnen getötet, sondern es ist eine Struktur, die dieses Individuum zu einer bestimmten Handlung zwingt/lenkt. Außerdem werden viele Schlachthausmitarbeiterinnen aus anderen Ländern angeworben um ökonomische Interessen durch Niedriglohnzahlungen zu erreichen und teilweise unter Mindestniveau der Unterbringung und Transport Geld zu sparen. Eventuell werden in bestimmten Gebieten nur bestimmte Ethnien oder Geschlechter für solche Arbeiten genutzt. Es finden auch viele Verletzungen unter den Arbeiter*innen statt und/oder es bilden sich posttraumatische Belastungsstörungen.

Ganz davon abgesehen wie viel Umwelt- und Luftverschmutzung durch Tierhaltung bewirkt wird. Die gesellschaftliche, die strukturelle und die Natur-Ebene wird von Befreiungsaktivistinnen ebenfalls berücksichtigt, da diese zusammenhängen und deren Meinung nach nicht getrennt voneinander behandelt werden können. Deshalb stehen sie gegen jede Form der Unterdrückung auf. Dies wird auch Intersektionalität genannt. Die Aktivistinnen handeln intersektionell, holistisch, ganzheitlich.

Innerhalb der Gruppen und Menschen der Befreiungsbewegung gibt es wiederum unterschiedliche Strategien, heißt leicht unterschiedliche Auffassungen der moralischen Auslegung und der Ziele, die verfolgt werden. Das liegt vermutlich daran, dass die Bandbreite der behandelten Themen breit gefächert ist und jede*r moraltechnisch an unterschiedlichen Punkten steht, im Lernprozess im Sich (in dieser Bewegung) finden steckt, bzw. örtliche Anpassungen vorgenommen werden müssen.

Oft werden zudem sprachliche Gleichberechtigungen wie Z.b. Aktivist*innen angewandt, was alle vielfältigen menschlichen Geschlechter beinhaltet, nicht aber Aktivisten was genau genommen nur männliche Menschen inkludiert.
Manche Gruppen organisieren sich komplett autark, andere sind autark aber in Kollektiven befreundet, wieder andere sind ein loses Netzwerk. Viele organisieren sich hierarchielos. Alle sind meines Wissens nach non-profit-basiert. Manche handeln gewaltfrei, manche nicht.

Die einen Gruppen sehen es so, dass für eine zukünftig befreite Welt alle menschlichen-Tiere zusammenkommen müssten um gemeinsam, wirklich aufgeklärt, liebesbasiert und gewaltfrei nach einem neuen Gesellschaftssystem zu suchen und es für alle festzulegen/zu definieren. Dazu informieren sie und klären die Gesellschaften über alle behandelten/zu behandelnden Themen durch unterschiedlichste Weise auf. Z.B. indem sie andere Bewegungen unterstützen, connecten, sozial arbeiten/helfen, vorleben etc.

Andere Gruppen stören/zerstören das aktuelle System und/oder befreien Tiere aus ihrer Versklavung um sie freizulassen oder sie in Freiheit weiter zu versorgen, falls sie nicht gelernt haben, sich selbst zu versorgen. Der Fokus ist hier unterschiedlich stark auf verschiedene Aspekte gelegt.

Hier gibt es (noch) keinen eindeutigen gemeinsamen Nenner innerhalb dieser Bewegung.

Die Effektivität zum erreichen des gemeinsamen Nenners, ist in einzelnen Bewegungen unterhalb der drei Tier-Bewegungen teilweise gegenseitig umstritten.

Geschrieben von
Manuel Menzel


Dies ist die individuelle Sichtweise des Autors, mir, Manuel Menzel. Quellen sind verschiedene Bücher, Webseiten, Gespräche, Socialmedia-Posts, sowie insgesamt Erfahrungen aus meinem bisherigen Wirken als kurzzeitiger Tierrechtsaktivist und nun Vollzeit-Liberationaktivist. Diskussionen/Ergänzungen/konstruktive Kritik über diesen Text sind willkommen und erwünscht.

WIR SIND ALLE EINS
und wir alle machen unsere Bewegung aus!



Schreibe einen Kommentar